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Es war einmal... ein Weinberggarten (2016, ein Märchen)
Es war einmal... ein Weinberggarten (2016, ein Märchen)
 

Es war einmal… ein Weinberggarten
 
oder… Die Geschichte von einem Mann, der in seinem Weinberg einen Garten errichten wollte und dadurch ein kleines Paradies schuf
     
 

von Helmut Marnet


Es war einmal ein Mann, der hatte Weinberge. In denen arbeitete er fleißig von früh bis spät und er war dankbar für das, was die Natur ihm gab.
               
Doch eines Tages kam ihm die Idee, er könne auf einen Teil seiner Weinberge verzichten, um sich dort einen schönen Garten zu errichten. Ein Stückchen Paradies, in dem er sich ausruhen und die Schönheit der Natur still genießen konnte.
    
Er machte sich auf, um seinen Traum Wirklichkeit werden zu lassen. Dabei halfen ihm Menschen, die ebenfalls in ihrem Gemüt stets friedlich und guten Willens waren. Sie träumten von einem wunderschönen Garten, arbeiteten dafür schwer, und es wurde gut. Als es fertig war, saßen sie zusammen und freuten sich über ihr gelungenes Werk.
   
Der Mann mit den Weinbergen wurde nachdenklich. „Der Garten ist wunderschön, so wie ich ihn gewollt habe“, dachte er sich. Doch für seine Freunde und ihn sei er viel zu groß. Und so beschloss er, dass künftig jeder in seinem Garten heimisch sein dürfe, der friedlich und guten Willens sei.
     
Dieses sprach sich herum und die Menschen kamen, um sich des Gartens zu erfreuen. Sie feierten viele friedliche Feste, und sie waren dem Mann mit den Weinbergen dankbar für seinen Großmut.
                
Doch nacheinander kamen drei Männer in den Garten, die nichts Gutes im Sinn hatten.
                    
Der Erste kam aus dem Dorf und dachte, der Garten würde wohl seine verzapften Pfründe schmälern. Er scharte weitere Männer um sich, doch mit ihrer Zahl wuchs auch ihr Neid.
                        
Der Zweite kam zu Pferde und war ein Gesandter des Königs. Er trug ein dickes Buch mit sich, das vollgeschrieben war mit Paragraphen. Von oben herab sah er dem Treiben zu. Seine Blicke waren missbilligend, doch es zu verbieten, fehlte ihm der Mut.
                        
Der Dritte sagte, er könne gar mit den Vögeln sprechen und alle bewunderten ihn dafür. Er ließ alle wissen, er hätte von ihnen geflüstert bekommen, die Menschen im Garten seien schlecht für ihre Nester.
                               
Es dauerte nicht allzu lange, und des Nachts suchte ein rätselhafter Unhold den Garten heim. Er brachte Feuer mit und dazu alles, was ein Feuer lodern ließ. Den Flammen übergab er jedoch nicht den ganzen Garten, sondern nur drei Dinge, die dem Mann mit den Weinbergen besonders am Herzen lagen.
                          
Als Musikanten davon hörten, eilten sie herbei, um aufzuspielen und Geld zu sammeln, damit das Verbrannte neu erbaut und der Unhold gefangen werden könne.
                    
Das machte des Königs Reiter zornig. Er sah in sein dickes Buch, und tatsächlich – es fand sich nirgends eine Stelle, die es den Menschen im Garten erlaubt hätte, friedlich und fröhlich zu feiern.
                     
Der Reiter erstattete seinem König Bericht und dieser rief den Schreiber herbei, um den Menschen im Garten sein Edikt zukommen zu lassen. Wenn weiterhin friedliche Feste gefeiert würden, so müsse der Mann mit den Weinbergen gar zwanzig tausend Goldtaler in des Königs Schatulle zahlen.
             
Bald darauf fragte der Mann mit den Weinbergen einen Gelehrten der Paragraphen um Rat. Doch auch dieser wusste keinen Weg zur Güte.
Der Mann mit den Weinbergen wurde des Kämpfens müde. Er ließ den König wissen, dass er auf seinen Garten verzichten und ihn schließen würde, denn er wolle dem Verdruss ein Ende bereiten.
                   
All die schönen Stunden, die er den Menschen geschenkt hatte, fanden nun ihr Ende. Doch in der Erinnerung der Menschen blieb der Garten für immer erhalten und sie dachten gerne und mit Wehmut an diese Zeiten zurück.
                      
Die Sterne standen schlecht zu dieser Zeit, und so fand das Gute nicht seinen gerechten Lohn. Der Triumph nämlich gehörte den Neidern und dem Unhold mit dem Feuer. Denn wo die Mächtigen friedlos sind, sind die Friedlichen machtlos.
                             
Doch Vorsicht, Herr König… Wer einen Schritt zurück geht, der nimmt mitunter einen neuen Anlauf. Dann wird er wieder kommen und all das, was nieder lag, wird er mit neuer Pracht zum erblühen bringen.
               
Der Mann mit den Weinbergen gab nämlich seinen Traum nicht auf. Und all seinen Freunden war klar, dass sie eines Tages dort wieder ein großes Fest feiern werden… dem dann noch viele andere große und kleine Feste folgen werden.
                       
Nichts auf der Welt ist mächtiger als eine gute Idee, deren Zeit gekommen ist. Kein König kann sie verbieten, kein Unhold kann sie auslöschen. Am Ende wird sie siegen. Und mit ihr alle, die friedlich und guten Willens sind…

     

PS: Etwaige Ähnlichkeiten mit real exisierenden Personen wären nicht zufällig, sondern unvermeidlich.